Motor einfliegen…

Ein kleiner Ausflug in die Motorentechnik:

Nach der Grundüberholung muss der Motor der Arrow „eingeflogen“ werden. Ich will kurz versuchen, das zu erklären. Der Motor hat u.a. neue Zylinder, Kolben, Zylinderköpfe und Ventile. Wichtig für eine gute Leistung und für einen geringen Ölverbrauch ist, dass die Zylinder dicht sind, also eine gute Kompression haben. Das ist ganz zu Anfang noch nicht der Fall. Die Ventile sind zwar angepasst, aber müssen erst noch den perfekten Sitz finden. Auch die Kolbenringe müssen sich erst noch in die Zylinderwände einschleifen, bis dort alles dicht ist. Solange suppt noch vermehrt Motorenöl an den Ringen vorbei in den Verbrennungsraum. Die Zylinderinnenwände sind vom Werk her mit einer kreuz und quer gerillten Oberfläche versehen (nach Bildern googlen: „Zylinder honen“). Quasi ein scharfes Berg- und Talprofil. Die Kolbenringe müssen nun zu Anfang die „Berge“ abschleifen. Die „Täler“ in der Zylinderwand werden übrig bleiben. In ihnen ist dann das Motoröl, auf dem später die Kolbenringe gleiten.

Um das Abschleifen zu erreichen, muss der Motor die ersten 50 Betriebsstunden mit hoher Leistung betrieben werden. Optimal sind 70 bis 75% Motorleistung. Der hohe Druck im Verbrennungsraum bei dieser Leistung gelangt an die Innenseite der Kolbenringe und drückt sie – zusätzlich zu ihrer Federvorspannung – gegen die Kolbenwände. Durch die geforderte Leistung ist die maximale Flughöhe begrenzt, denn in größeren Höhen sinkt die Motorleistung wegen dem sinkenden Luftdruck auch bei Vollgas. Zum Einfliegen fliege ich nicht höher als 7.000 Fuß, also 2.100 Meter. Die hohe Motorleistung erhöht den Treibstoffverbrauch, geringfügig erhöht sich natürlich auch die Reisegeschwindigkeit.

Außer durch die erhöhte Leistung muß der Treibstoffverbrauch wegen der Kolbenringe weiter erhöht werden. Die Kolbenringe werden durch die Reiberei zu heiß, wenn sie nicht durch zusätzliche Treibstoffeinspritzung gekühlt werden. Der Motor läuft also mit einem viel fetteren Gemisch, als es später erforderlich ist. Unter’m Strich beträgt der Spritverbrauch beim Einfliegen etwa 45 Liter die Stunde, später – bei 60 bis 65% Leistung und verarmten Gemisch – etwa 36 Liter.

Schon nach etwa 5 Flugstunden ist die gröbste Einlaufarbeit an den Zylinderwänden erledigt. Deshalb wird bereits dann der erste Öl- und Ölfilterwechsel fällig, um den Metallabrieb aus dem Motor zu bekommen. Abgeschlossen ist das Einfliegen konservativ betrachtet nach etwa 50 Flugstunden. Solange wird reines, unlegiertes Mineralöl verwendet. Danach kann wieder normal geflogen werden.

Was geschieht im Motor, wenn beim Einfliegen geschlampt wird?

Wird mit zu geringer Leistung geflogen, dann suppt reichlich Motoröl an den Kolbenringen vorbei in den Verbrennungsraum und verbrennt an den Kolbenwänden zu einer Glasur, die durch die Kolbenringe nicht mehr abgeschliffen werden kann. Die Folge ist schlechter Kontakt zwischen Kolbenringen und Zylinderwand und dadurch dauerhaft zu geringe Kompression und reduzierte Motorleistung, sowie ein erhöhter Ölverbrauch.

Wird mit zu armen Gemisch eingeflogen, werden die Kolbenringe nicht ausreichend gekühlt. Sie verlieren dann durch die Hitze ihre abdichtende Federkraft und werden spröde. Folge ist auch hier ein dauerhaft zu hoher Ölverbrauch und zu niedrigere Kompression. Außerdem könnten später Kolbenringe brechen und im schlimmsten Fall zum Motorausfall führen.

Wie in der Küche beim Hantieren mit scharfen Messern, ist es also auch in der Luftfahrt durchaus von Vorteil, wenn man weiß, was man tut…