IFR – Endlich wieder ab in die Wolken!

Gestern war ich mit meiner Arrow unterwegs. Wenn Ihr gesehen hättet, wie trostlos das Wetter hier aussah, würdet Ihr Euch fragen: „Wieso tut er sich das an“. Die Wolken hingen sehr tief, es war finster, klamm und kalt. Dennoch war es für mich ein gelungener Flugtag. Ich habe viel von dem, was ich erreichen und ausprobieren wollte, hinbekommen und wieder neues Vertrauen in die Arrow gewonnen. Abgesehen vom „Spaß am Fliegen“ stehen bei mir ein paar Punkte auf der fliegerischen „to-do-Liste“, die ich möglichst bald erledigen will:

1. Der Motor muß eingeflogen werden und kriegt bereits nach 5 Flugstunden den ersten Ölwechsel. Ich will möglichst schnell diese 5 Stunden vollkriegen.
2. Für Mannheim gibt es Sonderregeln: Wenn man nicht einmal im Jahr dort IFR angeflogen ist, muß man wieder Formulare ausfüllen und hinschicken. Also wollte ich dieses Jahr noch einmal einen Anflug dort machen.
3. Die Arrow erfordert besonders viel Übung, wenn man alleine IFR damit fliegt. Also wollte ich mich in diesem Bereich wieder fit machen.
4. Meine IFR Lizenz für die Arrow muß im Frühjahr verlängert werden. Dafür brauche ich drei single-pilot An- und Abflüge nach IFR.
5. Ich will die Motorbedienung für das Einfliegen ausprobieren (mehr Leistung, mehr Spritverbrauch in den ersten 50 Flugstunden).
6. Die Systeme überprüfen. Der Autopilot hat immer noch eine Macke, dann gibts da noch das neue Gerät für die engine-out-guidance zu testen sowie das Kollisonswarngerät. Die teure Borduhr steht. Die Batterie muß gewechselt werden… und so weiter…

Gestern bin ich früh aufgestanden und habe über das Internet eine ausführliche Wetteranalyse gemacht. Ich wollte eigendlich zwei IFR Flüge á 2 Stunden machen, dann wären die 5 Stunden schon voll gewesen. Als geeignete Strecke dafür hatte ich mir Mannheim – Bautzen ausgesucht. Bautzen liegt an der polnischen Grenze, etwas östlich von Dresden, das ich als Ausweichflugplatz nehmen wollte. Von der Wetterlage her bot sich so ein Ost-West Flug an, entlang der ganzen Strecke gibt es etliche Flugplätze, nirgens war Nebel gemeldet und die Sicht unter den niedrigen Wolken war gut. Die Temperaturverteilung war so, dass im unteren Luftraum keine Vereisung zu erwarten war und die Wolkenschicht so tief, dass ich mir erhoffte, oben im strahlenden Sonnenschein fliegen zu können.

Mit RocketRoute habe ich dann online die Flugplanung gemacht. Normalerweise kann die Arrow 5 Stunden in der Luft bleiben, so wie ich sie bisher geflogen habe. Nun, durch das Einfliegen mit höherer Leistung, sind es nur 4 Stunden. RocketRoute hat mir dann angezeigt, dass mir für die geplante Strecke von 2 Stunden (mit den erforderlichen IFR Reserven) zwei Liter Sprit fehlen würden. Und so knapp mit Minimum Sprit fliege ich mit dem Airbus A380 ja auch nicht.

Ich habe dann umgeplant nach Hof-Plauen, an der tschechischen Grenze, etwa eine Stunde von Mannheim weg. Da bin ich vorher schon mal hingeflogen und wußte noch, dass es da schnell und umkompliziert mit dem Tanken geht und ich schnell wieder weg bin.

Kurz vor Mittag stand meine Arrow vor der Halle in Worms. Den Flugplan von Mannheim nach Hof für 12 Uhr 30 lokal hatte ich schon zu Hause aufgegeben. Nach dem Anlassen (damit die Batterie geladen wird) habe ich erst mal die komplette Flugstrecke in den Bordcomputer eingegeben und abgespeichert. Dann zur Tankstelle und vollgetankt. Abflug um 12 Uhr 5 lokal. Im Nu war ich unter der tiefen Wolkendecke und bin in 1.500 Fuß Höhe bei guter Flugsicht den Rhein entlang nach Mannheim. Flugzeit 10 Minuten. Dort habe ich mir einen Parkplatz geben lassen, wo ich mit laufendem Motor stehen bleiben kann. So konnte ich in Ruhe mein Cockpit für den IFR Flug umräumen, Karten zurecht legen, die gespeicherte Route wieder abrufen und vom Tower die IFR Freigabe einholen.

Um 12 Uhr 32 lokal startete ich Richtung Westen. Eine Minute nach dem Abheben war ich den dunklen Wolken. Ich kontrollierte den Flugweg nach den Instrumenten und der Karte auf den iPad und ich überprüfte die Flügel nach Eis: Nur naß von den Wolken, die hatten genau 1° Celsius. Zwei weitere Minuten später war ich über der Suppe in strahlend blauem Himmel! Bald kam eine direct-clearance nach Würzburg und ich stieg auf FL070, also 7.000 Fuß. Autopilot an, und dann nach den Tabellen für die aktuelle Außentemperatur (5°C) und die Höhe die Motorleistung eingestellt. jetzt also 45 Liter die Stunde, statt 36 vorher. Ist ja nur für eine begrenzte Zeit. Wenn’s dem Motor gut tut…

Die neue engine-out-guidance Xavion hatte ich auf dem iPhone laufen, das links am Fenster in der Halterung steckte. Gut im Sichtbereich. Es gibt nicht zu bedienen, einfach hingucken. Leider hat die Software nur etwa die Hälfte der in Deutschland verfügbaren Landebahnen in der Datenbank. Deshalb gab es oft keine „Guidance“, obwohl eine Bahn in der Nähe war. Oder die „Guidance“ führte zu einer schwierigen Landebahn wie Michelstadt. Oben auf einem Berg, von Bäumen umgeben, mit kurzer Bahn. Aber immer noch besser als überhaupt nichts. Xavion saugt den iPhone Akku leer wie nichts. Da war es gut, dass ich mir auf der linken Seite eine USB Doppelsteckdose habe einbauen lassen. Ein Loch für das iPhone, das andere für die Attitude-Heading-Reference Box (AHRS), die jetzt in der Mitte des Flugzeugs auf dem Fußboden befestigt ist. Die Übertragung der Fluglagedaten auf das iPhone geht über WLAN und funktioniert einwandfrei.

Ganz anders das Kollisionswarngerät. Das sollte eigendlich seine Daten an mein iPad übertragen, ebenfalls über WLAN. Ging aber nicht. Obwohl das Gerät selbst einwandfrei den Verkehr um mich anzeigte.

Ein schöner Ausflug in den Sonnenschein. Trotz Sonnenschein war es etwas kalt. Die Heizung in der Arrow bläst irgendwo heiße Luft rein. Die Regelung so präzise, wie bei einem – gleichaltrigen – VW Käfer. Es gab immer was zu tun im Cockpit: Motorinstrumente kontrollieren, Treibstoffverbrauch überwachen, wo ist der nächste Flugplatz? Karten für den Anflug vorbereiten, etc. Das Wetter einholen von Hof: 6 km Sicht, Wolkenuntergrenze in nur 800 Fuß, frischer Wind. Schon kam die Anflugfreigabe und ich flog wieder in die Wolken rein: Gut auf die Mindestsicherheitshöhe achten, dann runter auf dem ILS, das ich komplett von Hand flog. Das ging sehr schön, ich war begeistert. Rechtzeitig vor dem Minimum kam die Anflugbefeuerung in Sicht. Wenn’s nicht geklappt hätte, wäre ich direkt wieder zurück nach Mannheim geflogen, wo das Wetter deutlich besser war.

Foto: Instrumenten-Anflugkarte Hof-Plauen

Unter dunklen Wolken, in leichtem Nieselregen rollte ich zur Tankstelle, wo ich volltankte. Mein Enginemonitor zeigte 63 Liter verbrauchten Sprit an, der Tankwart kriegte 62 Liter rein – eine gute Übereinstimmung. Der Tankwart half mir die Arrow an die Seite zu schieben, wo ich sie einfach stehen ließ. Unten im Tower gab es eine Toilette und einen kleinen Briefingraum. Als Erstes gab ich den Rückflugplan über mein iPad auf, damit der Towerlotse die Daten hatte, wenn es los ging. Dann kam noch ein zweiter Pilot herein. Der war kurz vor mir mit einer King-Air gelandet. Ich hätte mich gerne eine Weile mit ihm unterhalten, aber der war überhaupt nicht gesprächig. Immerhin lies er heraus, dass er jetzt nach Paderborn fliegen würde…

Nachdem ich die Landegebühren und den Sprit bezahlt hatte, machte ich einen neuen Outsidecheck und holte die Anlassfreigabe. Mein Flugplan war schon (über Brüssel!) auf dem Tower angekommen und so bekam ich gleich die Freigabe. Gleichzeitig ließ der andere Pilot seine King-Air an. Der Tower sortierte und meinte, er müsse die King-Air zuerst rauslassen, da sie schneller sei. Ein „König der Luft“ ist also schneller als ein „Pfeil“. Nachdem die King-Air in den Wolken verschwunden war, war ich an der Reihe. Der Tankwart hatte zum Wetter nur gesagt: „Letztes Jahr um diese Zeit war hier schon alles voller Schnee“. Nun war ich froh, dass es noch nicht so weit war. Über dem Hügel am Bahnende verschwand ich nun auch mit der Arrow in den nassen Wolken. Bald war ich durch die Wolkenschicht gestiegen und flog in 6.000 Fuß Höhe unter einem blauen Himmel genau gegen die untergehende Sonne über einem weißen Wolkenmeer.

Nun noch ein Instrumentenanflug in Mannheim, wo das Wetter besser war. Mit dem Tower sprach ich ab, dass ich nur einen low approach machen wollte und dann nach Sicht wieder nach Worms. Dafür erhielt ich die Freigabe. Trotz guter Sicht am Ende flog ich zum Üben den kompletten Anflug bis runter auf die Landebahn, über der ich dann einen ebenso vollständigen Go-around flog, ein Manöver, dass man ab und zu mal machen sollte, damit es auch klappt, wenn man es ungeplant machen muß. Als ich wenige Minuten später in Worms vor der Halle den Motor abstellte, war es unter dem finsteren Himmel schon weihnachtlich / winterlich dunkel. Obwohl es noch 20 Minuten bis zum Sonneuntergang war… Es war eine wunderbare Abendstimmung, das Drehlicht auf dem Turm war an, niemand lief mehr herum oder flog. Und dabei war es erst kurz vor halb fünf! Nur ich saß noch im Cockpit und studierte die Handbücher:

Wir würden das Instrumentenpanel noch mal aufschrauben müssen. Um die Batterie der Borduhr zu wechseln, muß man sie ausbauen! Das Ding hat fast 500 Euro gekostet, und jetzt brauche ich die Hilfe eines Mechanikers, nur um die Batterie zu wechseln! Und dann das WLAN Modul des Kollisionswarngeräts: Das hat perfekt gearbeitet, allerdings muß man für die Anzeige der Verkehrsdaten auf dem iPad dort ein Passwort eingeben (so stehts im Handbuch). Das Passwort selbst steht nicht im Handbuch… sondern auf der Gehäuserückseite des Moduls, das tief hinter dem Panel eingebaut ist. Glückwunsch!