Dynamisches Auswuchten…

Für den 11. November konnte ich bei gutem Wetter kurzfristig einen Termin bei Röder Präzision in Egelsbach ausmachen. Als letztes Feintuning nach der Grundüberholung sollte der Propeller dynamisch ausgewuchtet werden. Das ging nicht in Worms. Man braucht dafür spezielle Ausrüstung. Statisch ist der neue Propeller bereits vom Hersteller ausgewuchtet worden. Kleine Unterlegscheiben – Trimmgewichte – sind dazu an speziellen Bohrungen an der Halterung des Spinners befestigt.

Mit einem dynamischen Auswuchten kann eine verbleibende Unwucht des Gesamtsystems Kurbelwelle – Motor – Propeller auf ein Mindestmaß reduziert worden. Das erhöht nicht nur den Komfort beim Fliegen, sondern verringert auch Verschleiß und Belastung des Motors.

Die Flugzeit nach Egelsbach betrug nur 18 Minuten. Ich stellte dem Motor vor dem Werkstor von Röder Präzision ab. Man hat mich schon erwartet. Der neue Leiter des Bereichs „General Aviation“ erschien bald mit einen jungen Mechaniker und zwei schweren Rolltischen voller Ausrüstung am Tor. Wir schoben die Arrow so an den Rand des Rollwegs, dass die tiefe Sonne nicht genau hinter der Maschine stand. Dann wurde alles vorbereitet: Motorhaube runter, eine Mutter am Motorgehäuse wurde durch eine spezielle Mutter mit Vibrationssensor ersetzt. Dann kam die Haube wieder drauf. Das Sensorkabel wurde sorgfältig an Rumpf und Tragfächenvorderkante entlang verlegt und mit Klebebändern fixiert. Im großen Bogen führte das Kabel so zu einem Rolltisch etwa 10 Meter vor dem Flugzeug, dass es auf keinen Fall in den Propeller gelangen konnte. Nix moderne Computertechnik: Das Messgerät hing an einem 40 Jahre alten x-y Papierplotter (so alt wie das Flugzeug). Auf eine Propellerblattspitze wurde ein kleiner Reflektorstreifen geklebt. Dann sah ich mir noch mal alles an, vor allem den Kabelverlauf vor dem Flugzeug.

Der Chef erklärte seinem jungen Kollegen und mir das Verfahren. Wir würden 3 bis 6 Motorläufe benötigen, bis mit Vektorrechnung Position und Masse der erforderlichen Trimmgewichte (wenige Gramm) berechnet werden können. Den Motor zu bedienen war mein Teil der Veranstaltung.

Mir gefiel überhaupt nicht, dass so nahe vor meinem Propeller Leute waren. Aber die wussten schliesslich, was sie tun. Ich ließ den Motor an und erhöhte langsam die Leistung bis auf die geforderten 2.400 Umdrehungen pro Minute.

Nun wurde ich mit einem Reflektorlicht „beschossen“, das auf den oberen Propellerkreis gerichtet war. So „wußte“ der Plotter jederzeit, wann das markierte Blatt oben war. Nach nur kurzer Laufzeit des Motors erhielt ich das Zeichen zum Abstellen. Messung Nummer 1 war beendet. Es sollte die einzige bleiben! „Da gibt’s nichts, was gewuchtet werden müßte…“. Man zeigte mir die Messergebnisse. Es hieß, nur selten hätte man einen Motor mit solchen, guten Werten. Weitere Messungen waren nicht mehr erforderlich. Man wollte mir entgegenkommen und berechnete mir wegen des reduzierten Aufwands nur der Hälfte der üblichen Pauschale. Mit etwa 200 Euro kam ich recht günstig weg. Viel wichtiger war mir aber die Erkenntnis, dass die Kurbelwelle immer noch so wunderbar rund lief, wie vorher. Der wunderbar runde Lauf diesen Motors, fast wie ein Jet, hat mich schon beim ersten Flug 2011 überzeugt: Das ist das richtige Flugzeug für mich!