Besuch bei Röder Präzision, Egelsbach

Nach Beginn der Grundüberholung des Motors war es mir ein Bedürfnis, den Patienten in der Klinik zu besuchen. Die Firma Röder Präzision in Egelsbach existiert sei 1922 und hat eine große Motorenwerkstatt, die auf die Überholung von Flugmotoren spezialisiert ist. Unter Piloten vom Preis her als „Apotheke“ gefürchtet, hat Röder doch einen hervorragenden Ruf für Qualitätsarbeit.

Als ich den zuständigen Leiter der Motorenabteilung traf, führte er mich zu einem kleiderschrankgroßen Rollschrank, den er für mich öffnete. Darin lag auf mehreren Regalböden verteilt der bis auf die letzte Schraube zerlegte Motor meiner blauen Arrow.

Ganz oben – glänzend wie neu – das zweiteilige, bereits gereinigte und geprüfte Motorgehäuse. Darunter die Kurbelwelle und die Pleuelstangen und alle Teile, die wieder eingebaut werden sollen. Ganz unten im Schrank lagen die Zylinder, Kolben, Zündkerzen. Das war jetzt alles Abfall, denn diese Teile werden genau wie die noch neu aussehende Nockenwelle verschrottet.

Alle anderen Baugruppen wie Anlasser, Zündmagnete, Treibstoffpumpe, Propelleregler usw. waren bereits zur Überholung auf die verschiedenen Werkstätten verteilt.

Eine Grundüberholung für einen Flugmotor unterscheidet sich ganz erheblich von der Restaurierung eines Oldtimerflugzeugs. Bei letzterem wird darauf geachtet, dass möglichst viele der Originalteile für den Wiederaufbau verwendet werden. In der Vergangenheit wurde das auch bei der Überholung von Flugmotoren gemacht. Damals wurden dann z.B. die Zylinder überholt, repariert, gehont und wieder eingebaut. Heute ist das auch noch möglich. Vor allem wegen der hohen Personalkosten und der in den USA geltenden Regeln für die Produkthaftung werden statt dessen mehr und mehr Neuteile in der Motorüberholung eingebaut.

Bei meinem Motor, einem 200 PS Lycoming IO360 C1C, bedeutet das die Verschrottung und der Ersatz durch Neuteile von allen Dichtungen, Bolzen, Zündkerzen, Kolben, Kolbenringen, Zylindern, Zylinderköpfen, Ventilen usw. Sogar die Nockenwelle wird – egal in welchem Zustand – verschrottet.

Wiederverwendet und überholt werden das Motorgehäuse, die Kurbelwelle, die Pleuelstangen sowie alle Anbauagregate.

Der Befund des Motors ergab notwendige Sonderarbeiten:

Das Kurbelgehäuse wies an drei Stellen winzige Haarrisse auf, die geschweißt werden müssen. Die Risse waren altersbedingt an bekannten Schwachstellen des 40 Jahre alten Motors. Es gibt nur ein Unternehmen auf diesem Planeten, dass die Lizenz hat, diese Risse zu schweißen. So muß mein Motorgehäuse zur Reparatur die Reise in die USA antreten, eine zusätzliche Verzögerung von etwa sechs Wochen.

Ausgerechnet die Ölpumpe hatte in ihrem langen Leben zuwenig Öl abbekommen. Dadurch waren die Zahnräder an einer Seite so abgenutzt, dass sie ebenso wie das Pumpengehäuse ersetzt werden mussten. Das war ebenfalls ein bekanntes Problem bei diesem Motortyp, das durch neue, modifizierte Teile dauerhaft aus der Welt geschafft wird.

Im Propellerregler wurden Spuren von Metallspänen gefunden, sowie Bauteile, die heute nicht mehr wiedereingebaut werden dürfen. Daher wurde der Regler an den Hersteller geschickt und wird durch ein Austauschgerät ersetzt.

Der Besuch bei Röder war für mich sehr wichtig. Hier konnte ich mich überzeugen, dass ich einen perfekten, auf Null Stunden Betriebszeit zurückgesetzten Motor bekommen würde.